nelly-sachs-1Die Nelly-Sachs-Straße ist eine Parallelstraße der Ingeborg-Drewitz-Allee in Richtung Opfinger Straße. An ihr liegen u.a. das Berthold-Kiefer-Haus (AWO-Wohnheim für Menschen mit Behinderung) und die Friseurinnung Freiburg Breisgau.

Nelly Sachs war eine jüdische deutsch-schwedische Schriftstellerin des 20. Jahrhunderts. Geboren als behütetes einziges Kind wohlhabender jüdischer Eltern am 10. Dezember 1891 in Berlin, schreibt sie mit 17 Jahren erste Gedichte, melancholisch im Ton mit Motiven aus Natur und Musik. 1921 erscheint ihr erster Gedichtband („Legenden und Erzählungen“) mit Unterstützung des Schriftstellers Stefan Zweig.

Das zurückgezogene Leben, das sie mit ihrer Mutter – der Vater war 1930 gestorben – führt, findet mit Beginn des Krieges ein Ende. Der Geliebte wird von den Nazis umgebracht. Sie selbst wird verhaftet, wiederholt zu GestapoVerhören einbestellt, die Wohnung von SA-Leuten geplündert. Im letzten Moment – der Befehl für den Abtransport in ein Lager war bereits da – kann sie mit ihrer Mutter nach Stockholm ausreisen, kurz vor dem allgemeinen Auswanderungsverbot. Seit ihrem 16. Lebensjahr stand sie, begeistert von deren Roman Gösta Berling, im Briefwechsel mit der schwedischen Schriftstellerin Selma Lagerlöf.

nelly-sachs-2In Stockholm leben sie unter ärmlichen Bedingungen, Nelly Sachs arbeitet u.a. als Wäscherin. Später übersetzt sie schwedische Lyrik ins Deutsche, wobei sich Stil und Ausdruckskraft ihrer eigenen Gedichte wegentwickeln von der früheren romantischen Fär-
bung. Gegenstand ihrer Dichtung sind nun das Leiden und Sterben ihres Volkes, das Grauen des Holocaust („In den Wohnungen des Todes“ 1947).

Nach dem Krieg wird sie zunächst in der DDR veröffentlicht, in der Bundesrepublik noch kaum gelesen. Erst Ende der 1950er Jahre erfährt sie Anerkennung im gesamten deutschsprachigen Raum. Zur Verleihung des Meersburger Droste-Preises betritt sie erstmals nach zwanzig Jahren wieder deutschen Boden. Schon zuvor gab es Anzeichen einer psychischen Erkrankung, nach ihrer Rückkehr nach Schweden bricht sie zusammen und verbringt insgesamt drei Jahre in einer Nervenheilanstalt.

1965 erhält sie als erste Frau den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, ein Jahr später, an ihrem 75. Geburtstag, zusammen mit dem israelischen Schriftsteller Samuel Joseph Agnon den Literaturnobelpreis. Seit den 1950er Jahren steht sie in Kontakt mit dem anderen großen deutschen jüdischen Dichter Paul Celan, besucht ihn auch 1960 in Paris.

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„Dichtung war für beide ein über den Abgrund der Vergangenheit gespanntes Rettungsseil aus nichts als Worten“ (Peter Hamm, Die Zeit vom 8. Oktober 1993).

1970 verstirbt Nelly Sachs in einem Stockholmer Krankenhaus an einer Krebserkrankung, am Tag von Paul Celans Beerdigung.

Zusammengestellt von Eva Weise
Quelle: Wikipedia