glashaus-stadtteilarbeitDie Sommerpause endete dieses Jahr für die Quartiersarbeiter Freiburgs mit einem Paukenschlag: Ein von der Stadt in Auftrag gegebenes Gutachten an die Firma con_sens aus Hamburg weckt den Eindruck, die Stadtteilarbeit – im Rieselfeld betrifft das alle
hauptamtlichen und ehrenamtlichen MitarbeiterInnen bei K.I.O.S.K. – wäre beliebig, planlos und ineffektiv.

Sind bestimmte Veranstaltungen, wie etwa eine Lesung, Quartiersarbeit? Werden benachteiligte Gruppen in den Stadtteilen mit der Arbeit und den Angeboten erreicht? Das Gutachten meint „nein“.

Als Konsequenz will die Stadt künftig selbst über Inhalte und Ausrichtung der Stadtteilarbeit bestimmen, nicht notwendigerweise mit weniger Geld, auch gern mit zumindest einem Teil des bisherigen Personals. Aber eine freie Trägerschaft wie sie der Verein K.I.O.S.K. seit 20 Jahren praktiziert soll es nicht mehr geben.

Für die Quartiersarbeiter der blanke Hohn: Nicht nur, dass ihre jahrelange Arbeit – bei Stadtteilfesten und Jubiläen nicht selten hochgelobt – mit einem Mal in Frage gestellt ist; aus ihrer Sicht waren sie es, die in den letzten Jahren wiederholt an die Stadt
herangetreten sind mit dem Wunsch nach Klärung von Rahmenbedingungen und Konzeption für die sozialarbeiterische Stadtteilarbeit in Freiburg – ohne Resonanz.

Überraschend ist die Eile, mit der der Wechsel der Zuständigkeiten vollzogen werden soll. Noch im Oktober wird der Gemeinderat darüber abstimmen.

Faktencheck

Logo_KIOSK_rgb_transpK.I.O.S.K. e.V. ist seit 2003 im Auftrag der Stadt Freiburg Träger der Quartiersarbeit und hat die Betriebsträgerschaft des Stadtteiltreffs Glashaus übernommen. In einem Leistungsvertrag ist das Ziel der Förderung des Bürgerschaftlichen Engagements ausgehend vom Stadtteiltreff Glashaus festgelegt.

K.I.O.S.K. e.V. ist auch seit 2003 Träger der Offenen dezentralen Kinderund Jugendarbeit.

Seit September 2016 ist K.I.O.S.K. e.V. Träger der Schulsozialarbeit am Kepler Gymnasium.

K.I.O.S.K. e.V. arbeitet in allen Fachbereichen sozialraumorientiert und begrenzt sich in seinem Tätigkeitsfeld auf den Stadtteil Rieselfeld.

Ehrenamtlicher Vorstand: 8 BewohnerInnen, 4 Frauen, 4 Männer, 2 Frauen mit Migrationshintergrund.
20 ehrenamtliche Gruppen
155 Ehrenamtliche
446 Mitglieder
davon 375 Familienmitgliedschaften (157 zahlende Mitglieder)
66 Einzelmitgliedschaften
3 Vereine, 2 Firmen

Leserbrief
von Andreas Roessler

Die Gutachter gehen m. E. von einer völlig falschen Grundlage aus: Den Bedarf von Quartiersarbeit an der Anzahl sozial unterstützter Personen festzumachen, ist Unsinn. Quartiersarbeit ist nicht Ersatz für die Unterstützung sozial schwacher Personen durch den ASD (allgemeinen sozialen Dienst), sondern soll die Menschen im Stadtteil darin unterstützen, sich für das Gemeinwesen in unterschiedlichster Form zu engagieren. Durch die vielfältige Vernetzung unterschiedlichster Menschen entsteht ein soziales Miteinander, das dann auch im weitesten Sinne tragfähig ist.

Dass nun ausgerechnet im Rieselfeld, wo die Quartiersarbeit eine ausgesprochen positive Bilanz aufweisen kann, wo seit 20 Jahren unzählige Menschen 10.000e von ehrenamtlichen Stunden eingebracht haben, wo das Zusammenarbeiten von Quartiersarbeit, BürgerInnenVerein, Kirche, Kitas, Schulen etc. bestens aufgestellt ist, die QA heruntergeschraubt werden soll, fühlt sich wie eine Bestrafung für ehrenamtliches Engagement an.

Zusätzlich kreidet das Gutachten an, dass sich der Trägerverein um unnötige Dinge wie z.B. die Koordination von Flüchtlingsarbeit kümmert. Das ist ja wohl der reine Hohn. Sollte die Verwaltung dieses Konzept wie empfohlen umsetzen, ist ein Rückgang des sozialen ehrenamtlichen Engagements in Freiburg vorprogrammiert. Das kann so ja wohl nicht gewollt sein.