kiosk-vorstand-2016Mittlerweile liegt das im Auftrag der Stadt Freiburg von der Firma con_sens erstellte Gutachten „Zukünftige Konzeption der Quartiersarbeit der Stadt Freiburg im Breisgau“ vor. Der darin entstandene Eindruck, die fachliche Arbeit vor Ort wäre beliebig,
konzeptlos und ineffektiv, entspricht keineswegs der alltäglichen Praxis in den einzelnen Stadtteilen. So waren es gerade die Fachkräfte der Quartiersarbeit, die in den letzten Jahren immer wieder klare und verlässliche Rahmenbedingungen seitens der Stadt anmahnten und letztlich auf Grund fehlender kommunaler Standards eigene Qualitätsstandards entwickelten, die der Stadtverwaltung vorgelegt wurden.

Wenn jetzt vermittelt wird, sowohl die freien Träger als auch die Fachkräfte der Quartiersarbeit hätten nur „Wildwuchs“ angerichtet, besteht die Gefahr, dass hier wertvolle Strukturen zerschlagen werden, die schwer ersetzbar sein werden.

Aus fachlicher Perspektive betrachtet, bedarf es in Freiburg endlich eines klaren Konzeptes für die Quartiersentwicklung in allen Stadtteilen mit einer ressortübergreifenden Koordination auf Seiten der Stadtverwaltung.

Gerade die präventive Quartiersarbeit im Rieselfeld zeigt, dass mit professionellen Ansprechpartnern vor Ort und einem passenden Konzept bürgerschaftliches Engagement ermöglicht, gefördert und die Eskalation sozialer Probleme ein Stück weit vermieden werden können.

Geradezu beispielhaft ist in Freiburg die Einbindung freier Träger wie z. B. K.I.O.S.K. e. V. in die Soziale Arbeit. In vielen Handlungsfeldern der Sozialen Arbeit (z. B. Jugendhilfe, Suchthilfe, Wohnungslosenhilfe, Schulsozialarbeit, etc.) leisten freie Träger in Freiburg wertvolle und erfolgreiche Arbeit. Der Gemeinderat der Stadt Freiburg ist daher aufgerufen, durch eine Vertagung der Entscheidung über eine Kommunalisierung der Quartiersarbeit die Möglichkeit für einen umfassenden Prozess zu eröffnen.

Dies gilt umso mehr, als dass eine begründete inhaltliche Kritik an der gegenwärtigen Quartiersarbeit kaum vorhanden ist. Es muss aber in einem verständigungsorientierten Prozess gemeinsam bewertet werden, um in der Folge zu tragfähigen Schlussfolgerungen und zukunftsfähigen Lösungen zu gelangen.

Welche Konsequenzen sich für die Quartiersarbeit im Rieselfeld ergeben, ist noch nicht abzusehen. Aber man kann davon ausgehen, dass es Veränderungen geben wird. Vielleicht ist das Quartiersbüro dann nur noch stundenweise von einem städtischen Mitarbeiter besetzt? Welche Rolle wird künftig der Trägerverein K.I.O.S.K. spielen? Sind Arbeitsplätze gefährdet? Wer führt die Seniorennachmittage, ÄwiR, Suppenfest, Café/Mittagstisch, Stadtteilzeitung, etc. weiter?

Viele Fragen, und noch keine Antworten. „Wenn die Ergebnisse so eindeutig sind, muss man handeln“ (OB Salomon). Daher wünschen wir uns hilfreiche Debatten und am Ende gute Entscheidungen!