Viele kleine Mosaiksteine wurden gelegt, damit Menschen nach langer Wohndauer in ihrem Stadtteil selbstbe stimmt und zufrieden älter werden können.

Charly Strödter interviewt Richard Krogull-Raub, den hauptamtlicher Projektmitarbeiter des Arbeitskreises „ÄwiR – Älter werden im Rieselfeld“ bis Ende September 2016.

Charly Strödter:
Richard, viele kennen Dich schon durch die zahlreichen Aktivitäten, die der „Arbeitskreis Älter werden im Rieselfeld – ÄwiR“ bisher entfaltet hat. Aber viele noch nicht. Kannst Du Dich für diese Leser mal kurz vorstellen?

Richard Krogull-Raub:
Ich habe ein langes Berufsleben in der Altenhilfe hinter mir. Vor gut drei Jahren bot sich für mich über die Projektstelle „ÄwiR“, für drei Jahre gefördert durch die Deutsche Fernsehlotterie, die Möglichkeit meine Erfahrungen in die schon existierende Arbeit hier im Quartier einzubringen. Mein
großes Lebensthema ist die zeitgemäße Gestaltung des dritten und wenn man heute dazurechnet, des vierten Lebensabschnitts. Da sich das Familienbild in unserer Gesellschaft in hohem Maße gewandelt hat, müssen wir auch über neue Formen des Miteinanders, gerade im Alter, ernsthaft nachdenken.

Insgesamt zeigt sich, dass das konkrete Wohnumfeld mit seinen jeweiligen Besonderheiten als zentraler alltäglicher Lebensort und als Ort sozialer und gesellschaftlicher Beteiligung bis ins hohe Alter immer wichtiger wird. Nach langer Wohndauer wollen Menschen in der Regel in ihrem Stadtteil selbstbestimmt und zufrieden älter werden.

Charly Strödter:
Ihr habt im glashaus auch statistische Untersuchungen dazu gemacht. Was ist dabei herausgekommen?

Richard Krogull-Raub:
Ganz einfach und ernüchternd: Laut den Zahlen des „Amtes für Bürgerservice und Informationsverarbeitung“ waren im Jahre 2015 von 9.800 Einwohnern des Stadtteils Rieselfeld 791
Menschen älter als 60 Jahre. 2030 werden es nach den Angaben des Amts 2.068 Menschen sein.

Charly Strödter:
Das ist in der Tat ein deutlicher Anstieg. Aber was heißt das für Dich konkret?

Richard Krogull-Raub:
Natürlich kann niemand das biologische Altern aufhalten. Aber es ist eine Tatsache, dass unsere Bevölkerung statistisch im Unterschied zu vor etwa dreißig Jahren 10 – 15 Jahre älter wird und dabei sehr aktiv und rüstig bleibt. Daraus und damit sollten wir etwas machen! Gelingen kann ein selbstbe-
wusstes Altern aber nicht nur individuell, vielmehr bedarf es auch einer Ergänzung durch ein konstruktives sowie anregendes Gemeinwesen, welches Herausforderungen und Entwicklungen im Dialog fördert.

Charly Strödter:
Dein Stichwort „Dialog“. Wer spricht bei euch im ÄwiR mit wem?

Richard Krogull-Raub:
Zuallererst – wir sind eine offene Gruppe für alle, gleich welchen Alters. Ähnlich bunt wie die Zahl der ehrenamtlichen Mitarbeiter waren auch die Aktivitäten der letzten Jahre. Ich nenne das mal Zusammensetzen von Mosaiksteinen. Von diesen wurden schon einige gelegt, um die Bewohnerschaft für unsere Anliegen zu sensibilisieren.

Zum Beispiel: AG Besuchsdienst, ÄwiR Gruppenabende, ÄwiR Themenveranstaltungen, Ge(h)meinsame Runde, Organisierte Nachbarschaft – Nachbarschaftshilfe, Reparatur Café, Sprechstunde zu allen Fragen des Älter-werdens im Rieselfeld, Näh-Café, Bänke im Stadtteil (schon teilweise durch das Garten- u. Tiefbauamt umgesetzt, beim Stadtteiltreff glashaus in Vorbereitung, Marktcafé als Variante für die Ausflüge der Senioren, da durch den Alterungsprozess der Gruppe die Mobilität immer weiter eingeschränkt ist. Das Café Plausch (immer Mittwochvormittag, Café im glashaus), Seniorentisch beim Stadtteil organisiert und und und …

Charly Strödter:
Zum Schluss unseres kleinen Interviews. Kannst Du noch zwei Sätze zu der von euch geplanten Messe am
29.10. im glashaus sagen?

Richard Krogull-Raub:
Für den Arbeitskreis „Älter werden im Rieselfeld“ (ÄwiR) ist die Messe im glashaus ein Höhepunkt seines Jahresprogramms. Eine Durchführung wäre jedoch ohne Unterstützung durch den Rieselfelder Einzelhandel und andere Rieselfelder Dienstleister nicht möglich. Dafür sind wir sehr dankbar. Dahinter verbirgt sich auch eine tiefe Einsicht: Dass sich die Bedürfnisse des täglichen Lebens im Wohnumfeld befriedigen lassen sollten. Das setzt dann aber voraus, dass neben öffentlicher Infrastruktur auch Einkaufen und viele Dienstleistungen im Quartier verankert sind. Zum Beispiel Lebensmittelläden um die Ecke, Ärzte und so weiter und so weiter. Kooperationen zwischen Quartieren, Wirtschaft, Gewerbe und Zivilgesellschaft sind eine zwingende Notwendigkeit für eine tragfähige Infrastruktur. Es lohnt sich, unabhängige und aktive Unternehmer vor Ort zu haben. Die BürgerInnen tragen über ihre Kaufentscheidungen maßgeblich dazu bei, wie sich der Sozialraum Quartier entwickelt.